erstellt von Ingrid und Heino Gräf    September 2010      

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Wir fuhren am 10. Oktober ab Berlin mit einem Subaru Libero und 2 Mountainbikes los. Über einen Zwischenstopp in den Allgäuer Alpen ging es dann über den Brenner entlang des Lago di Garda vorbei an Modena nach La Spezia direkt ans Mittelmeer nach Marina di Massa. Die erste Übernachtungsmöglichkeit war ein Parkplatz direkt am Mittelmeer und besser als jedes First Class Hotel. Ein kleines Restaurant mit einer aktzeptablen Pizza reichte für ein erstes Abendessen voll aus. Das erste Frühstück in der Toskana mit Blick auf eine leicht stürmische See war einfach super. Auch das morgendliche Bad im Meer war herrlich erfrischend.

Weiter ging es dann nach Lucca. Wir stellten unser Gefährt außerhalb der noch komplett erhaltenen  Stadtmauer ab und radelten hinein in die alte Stadt. Über verschachtelte kleine Gassen kamen wir zum Piazza de Napoleone. Umgeben von uralten Platanen ließen wir uns den Capuccino und unser erstes italienisches Eis gut schmecken. Ein Muß für Lucca- Besucher ist die Stadtmauer, auf der man die gesamte Innenstadt umgehen oder umradeln kann. Ein kleine Sensation ist der Piazza dell´ Anfiteatro. Er ist auf dem Grundriss eines altrömischen Amphitheaters gebaut. Die Stadt Lucca war bis 1799 autonome Stadtrepublik und lebte hauptsächlich von einer ausgeprägten Seidenproduktion. Auch heute gibt es noch viele kleine Geschäfte, die Selbstgefertigtes verkaufen.

Unser nächstes Ziel noch am gleichen Tag war der schiefe Turm von Pisa, der in Wirklichkeit noch viel schiefer ist als Bilder vermuten lassen. In Pisa empfiehlt es sich das Auto außerhalb der Stadtmauern stehen zu lassen und die Stadt per pedes oder per Rad zu erkunden. Vorsicht: es wird überall gebaut. Auf dem Campo dei Miracoli (Miracoli heißt übrigens "Wunder" – ist bestimmt nichts Neues) trifft man auf geballte romanische Baukunst. Das berühmteste Gebäude ist sicherlich der Campanile (Glockenturm). 8 Stockwerke und 57m hoch, mit einem Überhang von 4,86 Metern stellen wir uns vor, Galileo bei seinen Fallexperimenten zu beobachten und mutmaßen, bestimmt zu den gleichen Ergebnissen zu kommen. Der Campus ist eine wahre Touristenfalle. Anstatt mit einem Originalturm als Lampe oder anderen mehr oder wenigen geschmackvollen Geschenken wieder zu gehen, verlassen wir Pisa mit einer original handgearbeiteten afrikanischen Trommel, die wir gleich am selben Abend heftigst einweihen.

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Vorsicht vor Marina di Pisa!!!! Wir hatten uns einen romantischen Abend erneut am Mittelmeer vorgestellt. Allerdings kann man hier nicht direkt am Strand parken. Außerdem wurden wir in einer am Meer liegenden Pizzeria nicht nur unfreundlich behandelt, sondern gnadenlos übers Ohr gehauen. 60.- DM leichter und immer noch leeren Bauches genossen wir aber dennoch das nächtliche Meeresrauschen. Am nächsten Morgen hatten wir nun genug vom Meer, es zog uns jetzt direkt ins Landesinnere, um typisches toskanisches Flair zu erleben.

Also auf nach Volterra! Über Pontadera und einen kurzen nicht lohnenswerten Thermenabstecher trafen wir in Volterra, einer mittelalterlichen wunderschönen Stadt 522 m hoch gelegen ein. Hier sahen wir steile kleine Gassen mit dunklen Wohnungen. Auf den Piazzas treffen sich Touristen wie auch Italiener. Herrliche kleine Geschäfte und Restaurants sind hier zu entdecken. In einer Seitengasse ließen wir uns in einer wirklich winzigen Pizzabäckerei eine der besten Pizzen dieser Erde schmecken. Auch die Volterraner kommen hier her, um sich Eierkuchen und Pizzastücke abzuholen. Insgesamt ein super Flair. 

 

Direkt am Fuße von Volterra konnten wir dann auf einem Campingplatz unser Zweimannzelt auf Rädern parken.Am nächsten Tag waren wir nach der vielen Fahrerei reif für eine Radtour. Von Volterra nach San Gimignano und zurück, so lautete unser Plan. Wir fuhren über kaum befahrene Straßen, die auch locker für Rennräder geeignet sind, zu dem toskanischen Manhatten. Schon von weitem sahen wir die Geschlechtertürme von San Gimignano (ist aber nichts Versautes). Die Landschaft ist sanft hügelig geschwungen und damit auch eine schöne Trainingsstrecke, um die überflüssigen Kalorien der toskanischen Küche wieder los zu werden. Das letzte Stück in die Zielstadt gestaltet sich dann etwas befahrener und auch    konditionell etwas anstrengender. Aber wir wurden durch gigantische Gebäude inmitten einer etwas düster romantischen Stadt belohnt. Als besonders sehenswert empfanden wir das Foltermuseum inmitten der Stadt. Wahrscheinlich gehört diese Sammlung zu einer der ausführlichsten in ganz Europa. Wir verließen dieses Museum froh, nicht mehr im Mittelalter und zumindest aktuell entfernt von solchen noch praktizierten Methoden zu leben. Der Rückweg gestaltete sich nicht ganz so schön, da wir auf einer befahrenen etwas kürzeren Strecke zurückfuhren. Besonders der Aufstieg nach Volterra war schon etwas für Fortgeschrittene. Wir wurden aber von den italienischen Autofahrern zum Durchhalten mittels Hupen und Winken angespornt (oder meinten die doch was anderes?????). Das Gefühl eine solche Strecke geschafft zu haben war einfach super und so belohnten wir uns in unserer Stammpizzeria wieder mit einer Super Pizza. Wir verließen noch am gleichen Abend Volterra und nahmen von einer uns liebgewordenen Katze Abschied. Am Fuße von Monteriggioni übernachteten wir und versuchten, uns am sagenhaften toskanischen Sternenhimmel zu orientieren. Am nächsten Tag ging es dann nach einem kurzen Abstecher auf der Burg weiter nach Siena. 

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Hier bewährte sich unser Prinzip des Draußen-Parkens und Rein-Radelns wieder aufs Neue!! Der Piazza del Campo gilt zurecht als einer der schönsten Plätze Italiens. Ansonsten ist natürlich der Dom und das gesamte Straßenbild in Siena eine Sehenswürdigkeit. Allerdings ging uns die wirklich extreme Touristenmasse dann doch so auf die Nerven, dass wir uns aus Siena zurückzogen und weiter nach Florenz der Hauptstadt der Toskana fuhren. Hier campten wir auf einem der schönsten Campingplätze Italiens. Fährt man nach Fiesole, der etruskischen Vorläuferstadt von Florenz, so hat man eine wunderbare Aussicht auf Florenz mit einem wirklich unbeschreiblichen nächtlichem Lichtermeer!. Am Morgen erkundeten wir dann erst Fiesole mit Fahrrad und sahen uns etruskische Bäder und Theater in dem lokalen Museum an. Danach düsten wir in rasantem Tempo ins römische Florenz hinunter. Hier kann man in Kauf- und Besichtigungsrausch geraten. Geschäfte- meist recht teuer- und Museen und Galerien an allen Ecken. Aber ein absolut lebendiges und quirliges Flair. Sehenswert ist auf alle Fälle der Dom und das etruskisch-römische Museum sollte man nicht verpassen; wir waren einfach zu müde dafür. Abends hieß es nach einer wahnsinnig steilen Auffahrt (nicht für geübte Biker, aber für (Anfangsbiker) zum Campingplatz in Fiesole zuerst in eine super angenehme Dusche und dann nach Bologna! Leider erlebten wir die Stadt nur abends. Aber es war beeindruckend was für eine junge und frische Atmosphäre in Bologna herrscht trotz der alten und manchmal etwas monumental wirkenden Gebäude. Außerdem lernten wir, dass die Italiener wohl eine Vorliebe für schiefe Türme haben müssen. In Bologna gibt es nämlich gleich zwei davon, die sich zueinander neigen! Und dieses Bild ist eigentlich beeindruckender als in Pisa.

Ja, nach einer kurzen Nacht und über einen erneuten Zwischenstopp diesmal in Südtirol ging es zurück in ein kühleres Deutschland.

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